Intro

Diese Woche geht's um zwei Karten. Lutz empfiehlt ein Lokal, in dem man nicht lange überlegen muss, was man nimmt, weil die Auswahl einem die Entscheidung quasi vorwegnimmt. Und Mara liefert nicht nur eine Empfehlung, sie schreibt diese Woche auch den Deep Dive für den umgekehrten Fall: was tun, wenn die Karte lang ist und der Inhalt schwer zu entschlüsseln.

Gabel - Luca 'Lutz' Presser

Café Anzengruber

Wieder einmal darf ich dich, lieben Leser, auf eine kulinarische Reise mitnehmen. Diesmal geht es in ein Konzept (wenn man es so überhaupt nennen darf), welches ehrlicher nicht sein könnte…

Klesch-kaltes Bier, G'Spritzer mit Zitrone und eine phänomenal gute, wenn doch recht kleine Auswahl an Wiener Schmankerl, die optimal dazu passen.

Die Rede ist natürlich von der absoluten Institution „Café Anzengruber".

Im Anzengruber treffen sich alle Schichten. Vom Mistler, übern jungen Studenten bis hin zum Herrn Hofrat ist hier ein jeder (und selbstverständlich auch eine jede) willkommen. Wie sie selber sagen: „An klaren Tagen sieht man an der Bar bis nach Split, und manchmal steht auch die Zeit hier still.”

Stellt sich also die Frage… was für ein Lokal zieht so ein durchmischtes Publikum an?

Na logisch! Eines, das nur 2 Hauptgerichte anbietet… diese aber perfektioniert hat!

Hier haben wir zum einen das Schnitzel Wiener Art vom Schwein (19,50 €) oder das Rindsgulasch (17 €)… beide wahlweise mit verschiedenen Salaten sowie Kartoffelvariationen.

gulasch essen und ja nicht goschat sein…

Meine klare Empfehlung und natürlich die Gabel der Woche:

  • Rindsgulasch mit Salzkartoffeln, davor eine saure Extrawurst mit Zwiebeln und dazu reichlich Flüssigkeit… in Form von Hopfensaft.

Wer im Anzengruber einen Mittwochabend verbringt, kann sich wirklich über Nix beklagen ;)

Café Anzengruber, Schleifmühlgasse 19, 1040 Wien, Dienstag bis Samstag, 16 bis 1 Uhr, warme Küche bis 23 Uhr.

Glas - Mara Feisst

Espresso

Ins Espresso kann man immer gehen, außer am Sonntag, da ist zu. Im Herzen vom Bobo-Grätzlkonglomerat finde ich dort immer genau die Verpflegung, die ich gerade suche, die urbanste Form der Gastronomie.

Nach dem Kindergarten-Drop-off trinke ich mit anderen Eltern Kaffee, schmause beim wirklich köstlichen Mittagstisch in bester Produktqualität (Shoutout zu Peter und Stephan und dem Fishy Friday), Campari Soda für die Nerven und jetzt kommen wir zum Kern dieses Glas-Tipps: die wirklich großartige Weinkarte.

Das Café Espresso ist ja nicht neu, das gibt's schon mind. 2 Jahrzehnte, vergleichsweise neu (seit 2019) ist aber die öffentliche Produktoffensive von Naturwein. Versierte Leser:innen wissen, dass ich damit nicht nur Verrücktes und Trübes meinte, sondern das Commitment zur Nachhaltigkeit im Weingarten und wenig Zutun im Weinkeller. Das Café Espresso spielt da alle Stücke, toll finde ich den Fokus auf osteuropäischen Low-Intervention-Weinen und ihre engagierte Planung von tollen Tastings und Wein-Happenings. Preise lassen oft eine zweite Flasche zu, auch wenn nur theoretisch. Und glasweise kann man sich einmal durch Europa kosten.

so muss ein Käsetoast ausschauen…

Aktuell würde ich trinken, wahrscheinlich mittags, weil kein Kater am nächsten Tag und angenehme Nachtruhe: Horst Hummel Pryxx 2018 Brut Nature, ein Natur-Schaumwein aus Ungarn, der ist mineralisch, leicht nussig und ohne Dosage: der beste Pairing-Partner zum würzigen Espresso-Käsetoast mit knackig Eingelegtem.

Espresso, Burggasse 57, 1070, Montag bis Mittwoch 7.30 bis 0 Uhr, Donnerstag & Freitag bis 1 Uhr, Samstag 16 bis 1 Uhr, Sonntag Ruhetag.

Deep Dive - Mara Feisst

Mara’s Tipps

An den freien Tagen treibt es mich oft in die bekannten Naturweinbars Wiens. Meistens in die gleichen. Nicht weil ich glaube, dass es woanders nichts zu erleben gibt, sondern weil ich da entspannen kann. Ich kenne die Leute, die dort arbeiten, die dort herkommen und auch vorbeispazieren. Ich komme natürlich auch wegen des Weins. Auch wenn ich dort oft Bier trinke, schmökere ich immer in der Weinkarte und lasse mich inspirieren. Ich schaue mir alle Positionen an und überlege, auch wenn ich wirklich keinen Wein bestelle, welcher es denn werden würde. Dabei beobachte ich andere weinliebende Gäste, die das Buch wälzen und darüber brüten.

Aber welchen Wein trinken wir heute?

Oft werde ich nach meiner Lieblingsrebsorte, meinem Lieblingswein und meiner Lieblingswinzer:in gefragt, da gibt es sicher einen Pool an Favoriten. Aber ich halte es wie beim Essen: ganz nach Tages-Gusto.

Für Neulinge beim passionierten Weintrinken habe ich jetzt ein paar Tipps bei der Hand:

  • Traut euch, eine Flasche zu bestellen, vor allem wenn ihr mehr als zwei Personen seid. Glasweise gibt's meist die sicheren, bekannten Positionen der Karte: die wirklich spannenden Entdeckungen, unbekannte Winzer:innen, Raritäten, ungewöhnliche Rebsorten, findet ihr fast immer nur auf der Flaschenkarte. Und preislich lohnt sich der Sprung: Bei ca. 6 Gläsern pro Flasche, aufgeteilt auf die Runde, ist der Unterschied zum Glasausschank meist minimal, und ihr habt mehr Spielraum bei der Weinwahl.

  • Lasst euch beraten: Schildert der Person eure Wünsche. Wenn ihr eure geschmacklichen Präferenzen noch nicht so gut ausdrücken könnt, erzählt von Rebsorten und Weinen, die euch gut geschmeckt haben, ein Profi weiß, was er mit dieser Info anfangen kann. Gut ist auch immer zu bedenken, ob ihr vorhabt, mehr als eine Flasche zu trinken, so kann man sich besser einer Kuration hingeben.

  • Zusatztipp „Naturweinbar": Die große Erklärung, was Naturwein ist und was das Wort für manche bedeutet, ist Thema für einen anderen Deep Dive. Aber sprecht gerne mit der beratenden Person über eure Erfahrung im Trinken und Genießen von „Low Intervention"-Weinen. Stichwort: Orange- und Naturweine sind keine Synonyme. Fragt dem Profi ein Loch in den Bauch. Ihr könnt hier übrigens auch Weine bestellen, die geschmacklich eher klassisch und bekannt daherkommen, Naturweine sind nämlich keine geschmackliche Einbahnstraße, sondern decken eine enorme sensorische Vielfalt ab.

  • Seid konkret bei eurem Budget, man muss sich nicht schämen, einen „günstigen" Einstiegswein zu bestellen. Ein Qualitätsmerkmal einer professionellen Weinbar ist sicherlich auch, Gästen Top-Weine im niedrigen/mittleren Preissegment anzubieten. Ich sag's euch, wie es ist: Ich kann mir viele Weine nicht leisten, die von Fachkolleg:innen getrunken werden. Wenn ihr Geld ausgeben wollt, ist natürlich die gute Beratung noch wichtiger.

  • Schmökert nicht zu lange (der Tipp, den ich selbst am wenigsten beachte), sonst fehlt euch die Zeit beim Trinken. Und darum geht's beim Wein: Genuss, Freude und ein guter Schwipps.

eine Bar für ein anderes Mal…

Heute trinke ich von Stefan Vetter aus Franken einen Silvaner. Karg, mineralisch, und jetzt kommt meine heutige Entscheidungshilfe: nur 9,0 % Alkohol.

Cheers.

Save the Date

  • Gault&Millau Genussmesse, Sa, 12., und So, 13. Sept., jeweils 12 bis 18 Uhr, Ottakringer Brauerei, Ottakringer Platz 1, 1160, Tagespass 189 €, Verkostung inklusive

  • Vienna Rumfestival, Fr, 18., und Sa, 19. Sept., Slots ab 15.30, 17.30 und 19.30 Uhr, Ottakringer Brauerei, Ottakringer Platz 1, 1160, 25 € für Eintritt, drei Kostproben und Verkostungsglas

  • Veganmania Donauinsel, Fr, 18. Sept., 14 bis 21 Uhr, Sa, 19. Sept., 11 bis 21 Uhr, und So, 20. Sept., 11 bis 19 Uhr, Donauinsel zwischen Floridsdorfer und Brigittenauer Brücke, 1210, Eintritt frei

  • Fire & Ice Chili Festival, Sa, 19. Sept., 11 bis 16 Uhr, City Farm Augarten, Obere Augartenstraße 1C, 1020, Eintritt frei

Outro

Das war’s für diese Woche. Verrate uns kurz, wie es dir gefallen hat:

➞ War super 

➞ War okay

➞ Das war nix

Wenn du jemanden kennst, dem diese Ausgabe gefallen könnte, dann leite sie weiter.

Bis nächste Woche!